J 70 EM 2017 – In der Wiege des Regattasegelsports

Geschrieben von Arne Wittemer am .

20170606 181218 030 20170705 1472782716Am Samstagmorgen des Pfingstwochenendes machten wir uns um 04:00 auf den Weg nach Hamble, GBR, zur J70 Europameisterschaft. Nach 12 Stunden Fahrt und der „Schnellfähre“ ab Calais waren wir dann um 15 Uhr Ortszeit am Hafen, stellten das Boot ab und konnten direkt beginnen alles weitere vorzubereiten. Als erstes wurde das Apartment (anfänglich Bed&Breakfest, ab dem zweiten Morgen nur noch Bed) bezogen welches in vier Minuten fußläufig zum Club lag und betrieben Aufgabenteilung. Zwei Leute Boot überarbeiten, zwei Leute einkaufen. Am Ende des Tages war also das Boot fast wieder im Neuzustand und der Kühlschrank prall gefüllt.

Für den nächsten Morgen lag dann Einchecken, Aufbauen, Vermessung und Einkranen (mit einem Reachstacker) an. Wie geplant waren wir dann mittags mit unserem Programm fertig, konnten das Boot im Hafen liegen lassen und uns nochmal für einen ersten Trainingsschlag stärken.
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Es war für uns alle das erste Mal auf den Solent. Mit 1,5kn Fahrt über Grund (Vollgas!) unter Motor raus aus dem Hamble River bei auflaufendem Wasser und dann endlich die Segel hoch und los. Wir machten uns ein paar Stunden mit dem Revier vertraut, testeten mit einigen Gegnern und waren mit dem Tag zufrieden. An Land merkten wir dann im Laufe des Abends das wir Bramble Bank wohl knapp verfehlt hatten und markierten uns diesen Punkt nochmals sorgfältig. Die Monegassen und die Amerikaner hatten an gleicher Stelle 2h früher Grundberührung Downwind bei 15knt Boatspeed. Auf dieser Sandbank Bramble Bank wird einmal im Jahr ein Cricketmatch zwischen dem Island Yacht Club von der Insel Cowes und unserem ausrichtenden Royal Southern Yacht-Club ausgetragen (Die spinnen die Briten 😊 um mit den Worten von Obelix zu sprechen).

Das Practice Race am nächsten Tag bei durchaus starkem Wind (Vorhersage 23knt in Böen bis 30kn) schenkten wir uns dann (nur 10 gestartete Boote) und schauten uns das Spektakel von Land aus an. Am Ende des Tages war dann noch die Eröffnungsfeier im Royal Southern Yacht Club inkl. Skippers-Meeting und auch hier scheint sich der Trend mit einer Vorsitzenden (hier: Commodore) durchgesetzt zu haben. Als Wettfahrtleiter wurde ein PRO vorgestellt, der zweimal bei Olympia im Finn gesegelt hat. Das hat man auch nicht alle Tage. Sportlicher Anspruch konnte also auch von der Wettfahrtleitung erwartet werden. Perfekt informiert werden die Teilnehmer während der Regatta über VHF und zusätzlich über eine WhatsApp-Gruppe. Einfach gut.

Der nächste Tag startete recht ernüchternd: Startverschiebung! Wegen zu viel Wind. Dies änderte sich auch den Tag über nicht, so dass wir noch einen Tag an Land verbrachten. Ein Ausflug für einen Blick über den Tellerrand brachte uns nach Portsmouth, wo wir in Old Portsmouth weiterhin einen Blick auf einen stürmischen Solent hatten. Leider führte ein Bemerken einer riesigen Halle mit GBR-Logo nicht zu einer Anregung unserer Gehirnzellen, so dass das wir die verwaiste Basis des Ben Ainslie Americas Cup Teams nicht besichtigten :-(

An den folgenden drei Tagen wurden dann bei fast durchgehend Wind über 25kn, 9 Wettfahrten gesegelt. Der Eindruck des gestählten Wettfahrtsleiters konnte bestätigt werden. Der Wind wurde immer als noch segelbar (Windlimit Average 25kn) eingestuft. Die Böen (durchaus mal 10min lang) wurden anscheinend nicht berücksichtigt. Wir konnten die Plätze 29, 19, 32, 32, 25, 28, 23, 32, 20 segeln und waren im Großen und Ganzen zufrieden. Weniger Sonnenschüsse hätten das Ergebnis allerdings verbessert. Auch Profis haben bei diesen Bedingungen teils Probleme und auch unter den Top 10 gab es immer wieder Kenterungen (Lee und Luv!) zu beobachten. Gesamt landeten wir auf dem 27. Von 42 Plätzen mit internationalem Feld, gespickt mit diversen Olympiateilnehmern, Welt- und Europameistern und Profis. Europameister wurde (wie im Vorjahr) Petit Terrible mit Claudia Rossi ITA 853. Noticia aus Spanien mit dem früheren J/80-Weltmeister Luis Martín Cabiedes José María Torcida auf Platz 2 vor den Amerikanern US 49 Peter Duncan auf Platz 3. Bester Amateur wurde die Royal Thames Yachting Academy mit Tim Gratton auf Platz 5 der Gesamtwertung. In der Amateur(Corinthian)-Wertung belegen wir den 11. von 23. Booten.

Nach entspanntem Auskranen, Entsalzen von Innen und Außen (Boot, Segel und Crew) und Verpacken, ging es dann am nächsten Morgen wieder in die Heimat mit großer Freude auf die nächste Regatta.

SailingTeam Joojanta
GER 439
Holger, Oliver (WYD), Arne, Peter