Gatica bei der 24 Uurs Delta Lloyd Regatta

Geschrieben von Ingo Löbbert am .

Bericht vom „Kustzeilers 24 Uurs Zeilrace“
Am vergangenen Wochenende jährte sich zum 53. Mal die traditionelle 24-Stunden-Regatta, ausgerichtet von der „Niederländischen Vereinigung der Küstensegler“ auf dem Marker- und IJsselmeer sowie der Waddenzee. Wie schon im letzten Jahr nahmen zwei Boote mit Crews des Segelclub Hattingen teil, eine davon waren wir auf der „Gatica“, bestehend aus Skipper Jörg Friedlein, Annette Diehl, Oliver Babik, Christian Lauterbach, Sebastian Fuchs und mir (Ingo Löbbert). foto6crew 20170830 1814254797
Ziel der Regatta ist es, innerhalb von 24 Stunden möglichst viele Meilen zu segeln. Dabei gilt es jedoch, nicht einfach durchs IJsselmeer zu kurven, sondern festgelegte Strecken („Rakken“) abzufahren, die jeweils durch Tonnen gekennzeichnet sind. Gewertet werden die Längen der Strecken, nicht aber die tatsächlich gesegelten Seemeilen.
Gemeldet waren 461 Boote, tatsächlich losgesegelt sind 418 und das Ziel erreicht haben letztlich noch 370 Crews, deren Ausdauer an der einen oder anderen Stelle schon gefordert wurde. Gestartet werden konnte an 14 Häfen des Marker- oder IJsselmeers (je nach zugeteilter Gruppe zwischen 19.00 Uhr und 19.45 Uhr), jedoch war das Ziel für alle, nach frühestens 23, höchstens 25 Stunden in Medemblik über eine der beiden Ziellinien zu segeln. foto1 sonne 20170830 1515193068Wir entschieden uns nach eingehender Analyse der Windvorhersage für Enkhuizen-Süd als Starthafen, wo wir exakt zu unserer Startzeit um 19.45 unter Spi gen Süden über die Startlinie fuhren. Wir hatten bereits auf der Anfahrt vor dem Start nach Enkhuizen festgestellt, dass sich unser Verklicker nicht so frei bewegte wie es sein sollte und allenfalls grobe Schätzungen anzeigte, nur leider nicht mehr daran gedacht, diese „Kleinigkeit“ zu reparieren.
Nachdem wir also im Markermeer die ersten zwei Stecken (hin und zurück) gefahren waren, wurde kurzerhand beschlossen, dass in der Schleuse Enkhuizen, in der wir unter Motor fahren durften, am Großfall das Großsegel kurz durch Annette ersetzt wurde und diese im Bootsmannstuhl mitsamt Sprühdosen und Taschenlampe um 23.00 Uhr zur Reparatur den 14m-Mast hinaufgezogen wurde.
Am Ausgang der Schleuse, mit wieder halbwegs funktionierendem Verklicker und nun wieder einem Großsegel am entsprechenden Fall ging es entlang der vorgegebenen Rakken direkt Richtung Norden durch das IJsselmeer bis zur Schleuse bei Kornwerderzand. Dabei galt es bei 12 Knoten Wind und guter Fahrt über Grund in erster Linie, die teilweise große Menge an Lichtern anderer Segelboote einigermaßen im Blick zu halten, um keine Kollision zu riskieren. Um 3 Uhr morgens wurde – genau rechtzeitig mit Beginn des ablaufenden Wassers in der Waddenzee - geschleust. Hier zeigte sich die große Erfahrung der Routiniers an Bord, die bereits am Start geplant hatten, gegen 3 Uhr genau dort sein zu wollen – Hut ab, wie ich finde.
Mit ablaufendem Wasser, der Uhrzeit entsprechenden Dunkelheit und einigen unbeleuchteten Tonnen auf der Strecke wurde entschieden, den Ostwind zu nutzen und unter Spi dem Fahrwasser Richtung Den Helder zu folgen – hier stellte dann übrigens die 3-Farben-Laterne im Masttop ihre Beleuchtungstätigkeit ein. Im Texelstrom erreichten wir bei 2 Knoten Strom zunächst eine Geschwindigkeit von 10 Knoten über Grund und änderten unsere Richtung ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, als auch der Strom kenterte. Da die Windvorhersage abnehmende Stärke vorausgesagt hatte entschieden wir uns für den kurzen „Rakken-Rückweg“ zur Schleuse bei Den Oever und genossen im starken Gezeitenstrom eine Art „Flusssegeln“, wie es Oliver treffend bezeichnete. Bei der Entscheidung, in Den Oever zu schleusen, ging es allen in erster Linie um das Ankommen im Ziel. Bei der Alternative, die ganze Strecke bis Kornwerderzand zurückzufahren, bestand die Gefahr, bei einschlafendem Wind den Weg nicht mehr zu schaffen – was für uns das Ende der Regatta bedeutet hätte, da wir das Zeitlimit zur Ankunft überschritten hätten. Aus heutiger Sicht vielleicht die falsche Entscheidung, denn diesen Rückweg, der deutlich mehr Seemeilen bedeutete, haben einige andere Yachten erfolgreich gemeistert, während wir kurz hinter Den Oever im IJsselmeer in eine Flaute geraten sind und bei exakt 0 Knoten Wind und spiegelglatter See von Insekten umringt wurden.

img wind00 20170830 2076283312Als uns der Wind nach einigen Stunden wieder beglückte, reichte es genau, den vorgegebenen Strecken folgend pünktlich nach mehr als 23 Stunden in Medemblick über die Ziellinie zu segeln.

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Auf jeden Fall war es ein tolles Segelwochenende, wir hatten viel Spaß und Glück mit der Sonne, die uns an allen Tagen begleitete.
Und wo sind wir schließlich gelandet? – Bei insgesamt 98,97 gesegelten „Rakken-Meilen“. Da es verschiedene Wertungen gab und die Gatica in der „Tocht-Gruppe“ gewertet wurde – die die erreichten Meilen bei diesen unterschiedlichen Booten über einen „Leistungsfaktor“ bewertet- erreichten wir von 240 Booten in dieser Wertungsgruppe den 40. Platz.