Ostseetörn auf der Hanse 400 „ELISE“

Geschrieben von Jacob Niewiarra am .

Oder: Warum man keiner Wind-App trauen darf….

Als zweite Crew des SC Hattingen für den Ostseetörn 2018 übernahmen wir am Freitag, 11.05. im Hafen Baltic Bay von Laboe unsere Hanse 400 „Elise“ für eine Woche Segelspaß. Wir, das waren Skipper Bernd Christen und die drei Crewmen Martin Schünemann, Ulrich Nathe und ich, Jacob Niewiarra.

1 20180525 1381477127Nachdem Proviant und persönliches Reisegepäck verstaut waren, machten wir uns daran, die Yacht kennen zu lernen, was auch einen Check des Segelmaterials beinhaltete. Nach einem guten Frühstück ging es dann gegen 10:30 Uhr aus der Marina in Richtung Fehmarn. Bei entspannten Ostwinden ging es die Kieler Förde hoch um später mit Kurs Ost gegen den Wind auf zu kreuzen. Das Wetter meinte es wirklich gut mit uns, denn wir hatten quasi die ganze Woche fast wolkenlosen Himmel und Sonnenschein.

Während eines Bilderbuch-Sonnenuntergangs kreuzten wir ostwärts in den Sund, vorbei unter der Brücke in die Martin Werft. Dort wurde nach Klarschiff machen der erste Anleger getrunken. Zusammen mit der Crew der „Luise“ wurde der Abend gemeinsam verbracht um den weiteren Törnverlauf zu besprechen.

Am nächsten morgen wurden wir vom Schlagen des Großfalls gegen den Mast geweckt. Ein Zeichen für mehr Wind. Leider stellte sich dieser Morgen als sehr diesig dar. Zeitweise war die Sicht schlechter als 500 Meter.

2 20180525 1070608735Nachdem sich die Nebelfelder etwas gelichtet hatten, ging es weiter Südostwärts denn das ausgemachte Ziel war gesteckt. Warnemünde sollte nun erreicht werden. Doch der über Nacht zugenommene Ostwind drückte das Wasser in den Fehmarn-Sund, so dass außerhalb der Marina eine nicht unerheblich starke Windsee auf uns wartete.

Entgegen den Angaben diverser Wind- und Wetterapps blies der auf 4-5 bft aufgefrischte Wind nun auch noch aus südost – also wieder gegen an. In der Mecklenburger Bucht passierte dann das, was sich kein Segler wünscht. Die gegenanstehende kurze und steile Welle hatte zwei unserer Crewmitglieder fest im Griff. Auch wenn sich Ulrich und Martin eine ganze Zeit tapfer geschlagen hatten, waren gelegentliche Besuche des leewärtigen Süllrandes dann doch nicht zu vermeiden. Nicht glücklich mit der Gesamtsituation wurde der Crew der „Luise“ über Funk mitgeteilt, dass Warnemünde für uns nicht mehr erreichbar war. Kühlungsborn wurde als Alternativhafen ausgewählt und angelaufen. Auch wenn sich beide seekranken Mitsegler für die Reduzierung des Streckenabschnittes nicht ausdrücklich bedankten, hatten Bernd und ich die dankbaren Blicke schon registriert, als wir in Kühlungsborn-Hafen festgemacht hatten.

3 20180525 1990047712Am nächsten Morgen wurde die Bordapotheke dann um eine Packung Reisetabletten erweitert, die wir vor dem Auslaufen im örtlichen Pharmahandel besorgt hatten. Bei moderateren Bedingungen bzgl. Wind und Welle steuerten wir nun nordwärts Richtung Dänemark. Das Ziel Rügen wurde endgültig aufgegeben.

Diese Etappe sollte nun unser längster Tagestrip werden. Aber auch in diesem Teilstück wollte uns AEOLOS, der Gott des Windes ärgern, denn der Wind drehte immer genau so dass er stets gegen an stand. Hoch-am-Wind aufkreuzen war auch hier wieder das Gebot der Segelstunde. Beim Erreichen der dänischen Hoheitsgewässer hatte ich dann die Ehre den „Danneborg“ unter der Steuerbordsaling zu setzen. Alle Crewmitglieder hatten sich von dem anstrengenden Vortag erholt und konnten das Segeln wieder genießen. Bernd und ich vertrieben uns die Zeit der Freiwache mit einigen Runden „Kniffel“.

In den späten Abendstunden erreichten wir den Ort Hesnæs. Hier trafen wir wieder auf Crew der SY „Luise“, die Ihre Fahrt am Vortag nach Warnemünde gnadenlos und ohne Ausfälle durchgezogen hatte.

Die im Hafenhandbuch beschriebene „schwierige Anfahrt im 270 Grad Winkel zwischen einer roten und grünen Lateraltonne unter zu Hilfenahme des Hafen-Richtfeuers….“ war dann doch nicht ganz so ernst zu nehmen. Zum einen lagen die Tonnen noch im Hafen von Hesnæs – und das Richtfeuer war auch noch nicht in Betrieb. Schön, wenn noch keine Saison ist.

Am nächsten Morgen verließen wir das sehr verschlafene fünf-Häuser-Dörfchen Haesnes wieder mit Kurs Nordwest, um durch den Storsørm nach Karrebæksminde zu segeln.  Leider verließ uns zwischen den dänischen Inseln der Wind, so dass wir zeitweilig den Motor zur Hilfe nehmen mussten.4 20180525 20861974255 20180525 1892539354

Nach dem Passieren der Farø-Brücke öffnete sich der Belt in einen sehr breiten Arm. Da der Wind weiterhin wegblieb, nutzten wir die Gelegenheit, um unsere Kenntnisse im MOB-Manöver unter Motor aufzufrischen.

Nachdem wir Fermø nördlich passiert hatten, legte der Wind nun aus westlicher Richtung kommen zu, so dass die letzten 10 sm im Smålandsfarvandet bei schönen 4-5 Beaufort mit zwei langen Schlägen zur Marina Karrebaeksminde gesegelt werden konnten.

Am nächsten Morgen ging es zunächst Richtung Westen zur Insel Omø. Von dort durch das Fahrwasser zum Großen Belt. Hier konnten wir nun mit etwas raumeren Wind einen südlichen Kurs nach Spodsbjerg auf Langeland fortsetzten.

6 20180525 1503475972Auch hungern mussten wir während unserer Etappen nicht. Unterwegs wurden an Bord leckere Nudeln oder Reis mit Geschnetzelten, Currywurst oder Martins leckerer Bolognese -Soße serviert. Am Abend wurde mit allen sieben Seglern ein traumhaft schöner sonniger und entspannter Segel-Tag gefeiert und bis in die Nacht über die vielen Eindrücke und Erlebnisse geplaudert. Hier machte sich die Größe der Hanse bezahlt, denn es passten beide Crews bequem ins Cockpit der 400er.

Am nächsten Tag ging es leider dann auch schon wieder zurück Richtung Laboe, dort wo unser Törn begonnen hatte. Obwohl ein nord-westlicher Wind von Radio Deutschland vorhergesagt wurde, hatten wir bei anliegendem süd-westlichen Kurs auch leider wieder Wind aus Südwest, was eine weitere Verlängerung des Tagestrips war. Aber diesen Umstand waren wir mittlerweile gewohnt.




7 20180525 1188691105 Nach passieren von Kiel-Leuchtturm gegen 19:00 Uhr ging es dann zurück in den Hafen von Baltic Bay, Laboe, wo die Crew der „Luise“ bereits auf uns wartete und unsere Leinen in Empfang nahmen.

In gemütlicher Runde im Salon der „Elise“ wurde der letzte gemeinsame Abend bei Snacks, Wein und Bier bis spät in die Nacht mit „Klönsnack“ verbracht. Bei der Rückgabe unserer Hanse 400 „Elise“ standen dann rund 300 ereignis- und lehrreiche Seemeilen mehr auf der Logge unserer Yacht.

8 20180525 1870507202Bevor es wieder nach Hause ging, rundeten wir unseren Törn mit einem gemeinsamen Abschluss-Essen mit leckerer Pizza und Pasta in der Hafenpizzeria von Laboe ab.

Bochum, 23.05.2018

Jacob Niewiarra