Überführung von Heiligenhafen nach Holland in den Schokkerhaven

Geschrieben von Jörg Friedlein am .

Fritz und Christian Lauterbach haben sich im Herbst eine gebrauchte Bavaria 39 gekauft und beschlossen das Boot dieses Frühjahr nach Holland in den Schokkerhafen zu legen.
Da ich die Strecke schon mehrfach zurückgelegt hatte, habe ich sie als Schiffsführer begleitet.
Nach mehrfacher Terminverschiebung durch eine Yachtwerft in Heiligenhafen, dem Winterlagerbetreiber, sollte das Boot am Montag, dem 13. Mai gegen 12.30Uhr ins Wasser gekrant und der Mast gestellt werden.
Um vormittags in Heiligenhafen noch einige Restarbeiten zu erledigen, haben wir uns um vier Uhr morgens mit einem Mietwagen auf den Weg vom Ruhrgebiet an die Ostsee gemacht. Gegen halb neun waren wir da und haben erst mal das Schiff gesucht, das eigentlich noch in der Halle stehen sollte. Gefunden haben wir es dann im Hafen.
Während ich einen neuen Faltpropeller montiert habe, bekamen wir die Info, dass der Krantetermin auf 11 Uhr vorverlegt wurde. Der Mast sollte aber erst nach der Mittagspause gestellt werden, wodurch wir ausreichend Zeit hätten, einige Arbeiten daran zu erledigen.
Funkantenne, Windanlage, Verklicker und Toplicht sollten noch ausgetauscht werden.
Als das Schiff dann schwamm, wollte die Krancrew doch sofort weitermachen, aber wir waren noch nicht soweit.
Daraufhin wurde schon mal das nächste Schiff in den Kran gehängt, auf dessen anderer Seite der Mastenkran war.

Somit wurde unser Mast gestellt und gleichzeitig hing schon das nächste Schiff im Kran. Interessantes Manöver!

Den Rest des Tages verbrachten wir damit das Boot segelklar zu machen und gegen 19 Uhr konnten wir den Hafen verlassen. Ein Blick auf die Tankanzeige machte uns etwas stutzig, denn der Im Herbst vollgetankte Tank war nur noch halbvoll - ich vermutete ein Problem mit der Anzeige.

Die Überfahrt in den Sonnenuntergang und nachher sternenklarem Himmel war wirklich schön, allerdings komplett mit Motorunterstützung, da das Großsegel noch nicht angeschlagen war.

In Schilksee kamen wir dann gegen 1 Uhr in der Nacht an.

Am nächsten Morgen gegen halbneun ging es weiter Richtung Nord Ostsee Kanal ( NOK).
Aufgrund technischer Probleme ist in Kiel schon seid längerem nur eine große Schleuse in Betrieb. Also wurden wir noch hinter der Berufsschiffahrt zusammen mit zwei weiteren Yachten in die Schleuse gequetscht.

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Die Kanalgebühr muss vor Einfahrt in die Schleuse an einem Kassenautomat entrichtet werden.

Nach der Schleusendurchfahrt gibg es erst mal weiter bis Rendsburg wo wir tanken wollten und einen Adapter für die Gasflaschen kaufen wollten, der bei der durch die Yachtwerft in Heiligenhafen durchgeführte Gasprüfung verbummelt wurde.
Getankt haben wir dann bei der Regattavereinigung Rendsburg 120 Liter in einen 150 Liter fassenden Tank.
Womit jetzt klar war, dass etwa der halbe Tankinhalt im Winterlager verschwunden war!

Einen Gasadapter haben wir leider nicht bekommen - die Küche blieb also weiterhin kalt.

Gegen 20 Uhr haben wir in Brunsbüttel festgemacht, um etwas zu Abend essen zu gehen. Nach einer Stunde ging es dann weiter durch die Schleuse auf die Elbe.

Trotz der kurzen Liegezeit mussten wir eine immerhin auf 10€ ermäßigte Hafengebühr entrichten.

Cuxhafen erreichten wir gegen 0.30 Uhr, wobei wir auf der Elbe ausreichend Gelegenheit hatten und mit dem Radargerät vertraut zu machen.

Am nächsten Morgen ging es gegen 11 Uhr mit ablaufender Tide weiter nach Norderney, wo wir gegen 21 Uhr ankamen.
Es war ein herrlicher Segeltag mit 3-4 Windstärken aus Nordost.
Auf den letzten Metern erlebten wir einen beeindruckenden Sonnenuntergang.

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Die mit 91 Meilen längste Tagesetappe begann gegen 9 Uhr auf Norderney und endete um 22.10 auf Vlieland. Kurz vor der Hafeneinfahrt verursachte der grade kenternde Strom ordentliche Strudel mit über 3kn Strom und kurzer hoher Welle. Ein spannender Abschluss eines langen Tages bei bis zu 28kn Ostwind.

Um das Hochwasser bei Harlingen um 9.30 zu erreichen, mussten wir am Freitag unserem letzten Tag schon gegen 7 Uhr auslaufen. Das schöne Wetter war endgültig vorbei leichter Regen und kalter Wind begkeiteten uns suf unserem Weg ins Ijsselmeer und durch die Ketelbrücke, die wir gegen 17 Uhr erreichten aber erst gegen 18.30 passieren konnten.

Insgesammt sind wir von Montagabend bis Freitagabend 339 Meilen gesegelt, hatten viel Glück mit dem Ostwind, tolle Nachfahrten und viel Spaß bei anspruchsvoller Gezeitennavigation.

Jörg Friedlein

 

 

 

 

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