Bericht RS500 Worlds

Geschrieben von Mirco Gantenberg am .

 

logo 20190816 1768469456Die RS500 Worlds 2019 fanden dieses Jahr in Tschechien am Lake Lipno statt. Es waren 63 Boote gemeldet und 59 Boote sind gestartet. Davon haben 6 deutsche Teams teilgenommen, eines aus Hamburg und fünf aus NRW. Am Samstag (3.8) und Sonntag (4.8) sind die Teams angereist. Am Sonntagabend gab es eine Eröffnungsveranstaltung vor einer Bühne direkt neben den Landliegeplätze der teilnehmenden RS500-Boote. Im Anschluss der Eröffnungsreden der Organisatoren gab es in der Bootshalle des Segelclubs ein sehr gutes Essen aus Tschechischer Küche.01

Der erste Wettfahrttag begann am Montagmorgen um 9:00 Uhr mit dem Skippers-Meeting. Alle Erläuterungen gab es einmal auf Tschechisch und anschließend auf Englisch. Zudem gab es während des Skippers-Meeting kleine Häppchen wie zum Beispiel Kuchen. Dann ging es für das erste Ankündigungssignal, welches für 10:30 geplant war, aufs Wasser. Das slippen war schon eine kleine Herausforderung; bei knapp 60 Booten die über einen schmalen Strandabschnitt slippen wollen und nur eine recht schmale Ausfahrt zur Verfügung hatten. Dafür war das Team der RS500 Worlds gut vorbereitet. Am Tag zuvor wurden die Slipwagen mit der Segelnummer markiert und beim slippen wurden die Slipwagen entgegengenommen sowie beim rausslippen zum Boot ins Wasser gebracht. Dadurch ging das rein und raus der Boote recht schnell und einfach, ohne großes Suchchaos nach dem passenden Slipwagen, von statten.

 

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Als wir dann im Startbereich ankamen, der sehr nah am Segelclub lag und somit keine lange Fahrt nötig war das Regattagebiet zu erreichen, eröffnete sich mir ein faszinierender Anblick. 59 Boote an der Startlinie habe ich noch nie erlebet. Das Wasser war auf Grund der großen Anzahl von Booten sehr kabbelig. Sodass es für mich die erste Herausforderung war das Boot ordentlich über den Start zu steuern, denn Sebastian und ich haben nicht einmal sieben Stunden vorher zusammen trainiert. Dementsprechend sind wir die ersten Starts passiv gefahren und haben uns erstmal eingewöhnen müssen. Dass das Zusammenspiel zwischen Steuermann und Vorschoter bei uns noch nicht so gut war machte sich leider bei den Halsen mit dem Gennaker auf dem Raumschotkursen bemerkbar. Sobald wir etwas mehr Wind hatten, hatte ich Schwierigkeiten den RS500 ordentlich durch die Halse zu steuern. Das Verbesserte sich jedoch Lauf für Lauf.

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Für jeden Tag waren 3 Rennen geplant. Nach den drei Rennen ging es dann wieder zurück zum Segelclub und die ersten Slipwagen wurden schon ins Wasser geschoben, sodass wir mit den Booten direkt aus dem Wasser auf die Wiese zu den Stellplätzen fahren konnten. Was jedoch nicht zu vergessen war, waren die Karten mit Namen und Segelnummer, die beim Rausfahren an ein großes Board gehangen wurden, wieder abzuholen. Dadurch hatte das Race Committee immer im Blick, dass auch alle wieder an Land sind, oder ob noch jemand fehlt. Für jede Mannschaft gab es dann direkt nach dem Slippen einen kleinen Snack an Land. Am ersten Tag waren es Burger. Am Ende jeden Tages gab es eine Ehrung der Tagessieger. Diese bekamen Leibchen, sodass man diese am nächsten Tag gut auf dem Wasser erkennen konnte.

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Am Dienstag gab es wieder das morgendliche Ritual um 9 Uhr mit der Steuermannsbesprechung mit einem kleinen Snack nach dem Frühstück. Es blieb genug Zeit sich anschließend Umzuziehen und die Boote aufzuriggen. Dann ging es wieder entspannt und schnell zum Startbereich. An diesem Tag war jedoch schon mehr Wind am Morgen wie zuvor. Dieser Wind stabilisierte und verstärkte sich noch ein wenig. Ein interessantes Phänomen war an diesem See, dass der Wind immer über die Mittagszeit kam bzw. zunahm. Dies lag wahrscheinlich an der doch bergigen Umgebung. Somit konnte das Race Committee einen größeren Kurs als am Tag zuvor auslegen. Am Start herrschte eine spürbar größere Hektik als an dem Montag.

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Nachdem die Kreuz schneller vorbei war als erwartet ging es nach der Luv-Tonne um die Ablauftonne auf den Raumwindkurs. Es war ein schöner Wind zum Gleiten auf dem Raumkursen. Uns machten die Halsen jedoch noch ein wenig zu schaffen. Denn ab und zu blieb das Boot in der Halse in der kleinen Welle stehen und ich hatte Probleme das Boot im Manöver gerade zu halten.

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Auf Grund kleinerer Baustellen waren wir dann auch nicht ganz zufrieden mit dem Regattatag. Aber wir hatten dennoch unseren Spaß und darauf kommt es an. Nach den drei Wettfahrten am Dienstag gab es abends dann eine Party nach der Tagessiegerehrung vor der großen LED-Leinwand.

Am Mittwochmorgen sah man einigen die Party an. Und auch das Race Committee hatte mitgefeiert. Das geplante Ankündigungssignal viel dann auch schon eine halbe Stunde später aus als es am Montag der Fall war. Zufall? Aber auch an diesem Tag waren alle Segler spätestens auf dem Wasser wieder voll im Regatta-Modus. Für diesen Tag war viel Wind angesagt und das Regattateam wies bei dem morgendlichen Skippers-Meeting auf den angesagten Sturm hin. Sie baten darum alles zu sicher, was wegfliegen könnten, zum Beispiel die ganzen Zelte. Das zeichnete sich jedoch vorm Start noch nicht ab. Auch im weiteren Verlauf hielt sich der Wind in Grenzen. Das Race Committee verlagerte die Startverschiebung nach dem zweiten Rennen auch erstmal an Land. Scheinbar die Ruhe vor dem Sturm. Nach gut einer Stunde warten an Land ging es dann wieder aufs Wasser. Recht zügig startete der Wettfahrtleiter das dritte Rennen des Tages mit nur zwei Runden. Nach der zweiten Kreuz sahen wir uns an der Luv-Tonne um und sahen eine ziemlich schwarze Wolkenfront über den Bergen. Wir zogen den Gennaker und fuhren schnell im Gleiten Richtung Lee-Tonne und dann zur Ziellinie. Der Wind nahm ganz leicht zu. Wir halsten und fuhren dann auch gleich mit Gennaker Richtung Land. Ich nahm den Slipwagen entgegen und mit großen Augen wurde mir gesagt wir sollen direkt die Räder des Slipwagens runternehmen, wenn wir das Boot auf der Wiese stehen haben. Wir beeilten uns das Boot den Hang auf die Wiese hoch zu ziehen und nahmen die Segel schnell runter, die Persenning schnell drauf und die Räder noch kurz runter. Da kam dann schon der Sturm und fegte uns einige Blätter um die Ohren. Was wir fast vergessen hatten war unsere Karten vom Board zu nehmen, das wurde schon ins Race-Office verlagert und alle versammelten sich dann danach direkt in der Bootshalle und warteten den Sturm ab. Der Sturm war dann doch nicht so ausgeprägt wie erwartet und nach einer guten halben Stunde war dann der Wind und der Regen vorübergezogen. Dann konnte das Abendprogramm wie geplant folgen. Es gab die Tagessiegerehrung. Folgend ging es dann in einer Fahnenwanderung zum Ausflugsschiff. Dort gab es dann auch an dem Abend etwas zu Essen. Und wir fuhren ca. drei Stunden über den Lake Lipno und konnten ihn mal ganz in Ruhe bestaunen.

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Am Donnerstag ging es wie jeden Tag mit Verhältnismäßig wenig Wind los. Gegen Mittag nahm der Wind wieder gut zu und wir hatten auch mal einen guten vierer Wind. Das war sehr gut für unser Crewgewicht.

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Der Donnerstag war der beste Regattatag für uns. Der Start in erster Reihe ist uns gut gelungen. Die Manöver liefen deutlich besser und taktisch konnten wir uns auch verbessern. Sodass wir sogar eine 25. und 26. Platzierung fahren konnten. Besonders die Gennakerkurse haben viel Spaß gemacht, da wir so gut wie den ganzen Kurs bis zum Lee-Gate im Gleiten waren. Nach diesem Tag waren wir dann auch ganz schön fertig. Abends gab es dann die Dutch-Party. Die wurde von der Niederländischen Klassenvereinigung organisiert.

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Am letzten Wettfahrttag gab es am Freitagmorgen erstmal nicht so gute Nachrichten. Es wurde sehr wenig Wind erwartet, sodass auch als erstes Signal die Flagge für die Startverschiebung am Fahnenmast gesetzt wurde. Das hieß dann wohl erstmal abwarten. Wir konnten allerdings die Zeit gut nutzen die ersten Sachen zusammen zu räumen und die ersten Taschen ins Auto zu laden. Denn auch wir hatten keine großen Hoffnungen, dass noch Wind kommt. Um 10 Uhr fühlten wir uns bestätigt, denn es gab die Durchsage, dass das Race Committee bis 14 Uhr abwarten will und dann entscheidet zu starten oder abzubrechen. In den vier Stunden haben wir dann auch schon den Großteil der Zelte abgebaut. Wir haben auch schon angefangen die Segel zu rollen und wieder in den Segelsäcken zu verstauen. Wir haben soweit alles abgebaut, was sich jedoch für den Fall der Fälle wieder schnell anbauen lässt. Denn zwischendurch kam mal eine Böe und danach war wieder flaute. Und Tatsächlich um 14:15 Uhr kam die Durchsage, dass das Race Committee entschieden hat noch einen Start zu probieren. Da war uns dann klar – alles auf Anfang. Unterwanten schnell wieder dran. Gennaker, Fock und Groß wieder anschlagen. Nachdem wir in gefühlter Rekordzeit das Boot wieder segelklar gemacht hatten und als erstes auf dem Wasser waren, freuten wir uns, dass wir so schnell wieder startklar waren. Leider kam dann an Land – kurz nachdem wir auf dem Wasser waren – die Durchsage wir sollen doch weiterhin noch an Land warten. Der Wettfahrtleiter prüft nochmal die Bedingungen auf dem Kurs. Wir entschieden uns aber noch weiter auf dem Wasser zu warten. Wir warteten dann mit zwei deutschen Booten, ein niederländisches Boot und ein tschechisches Boot in der Nähe des Startschiffes. Leider mit dem Ergebnis, dass die Wettfahrten für diesen Tag abgebrochen wurden. Das hieß dann zurück an Land und das Boot diesmal komplett abbauen und verladen. Dann gab es auch schon ohne langes Warten die Siegerehrung. Dabei wurden verschiedene Kategorien geehrt. Die besten der Damen, das beste jüngste Team und natürlich die besten fünf in der Gesamtwertung.

Wir belegten den 36. Platz von 59 gestarteten Booten. Die Ergebnisse und weitere Fotos sowie Highlight-Videos findet Ihr auf folgender Seite: https://www.rs500worlds.cz/

Nach der Siegerehrung ging es dann auch direkt ins Auto und mit dem Anhänger wieder Richtung Deutschland. Das Event war ein sehr tolles und spaßiges Erlebnis mit einer offenen Community. Denn eine Regatta ist mehr als nur segeln. Im nächsten Jahr wird die RS500 Weltmeisterschaft in Travemünde bei der Travemünder Woche ausgetragen.

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